Auftakt. Statistik: Orientierung im Datendschungel

Der Datenhaufen, dem wir uns gegenüber sehen, ist riesig. Mit sich  ausbreitender Digitalisierung wächst er immer weiter. An vielen Stellen ist er längst zu groß, um sich mit Einzelfällen zu befassen. Die Masse kann also nur behandelt werden indem wir die Daten mit Hilfe statistischer Analysen aggregieren, also zusammenfassen. Bei jeder Aggregation und damit bei jeder Statistik gehen Informationen verloren. Welche das sind, lässt sich im gewissen Rahmen durch die Auswahl der Statistik steuern. Welche Statistik also eine konkrete Fragestellung bestmöglich beantwortet, sowie das Wissen darum, was anschließend die Aussage ist, lässt sich also nur mit einem Grundverständnis für statistische Zusammenhänge beantworten.

Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

Im Kern ist etwas Wahres an diesem Satz, dennoch ist er irreführend. Denn häufig ist Fälschung gar nicht notwendig. Alleine die Wahl der Kennzahlen, der Darstellungsform und des Kontextes in dem die Statistik präsentiert wird, nehmen großen Einfluss darauf, was beim Betrachter ankommt. Häufig ist die Kernbotschaft nicht falsch sondern suggeriert falsche Schlüsse oder geht an der Fragestellung vorbei. Dazu muss nicht mal böser Wille mit im Spiel sein. Fazit: Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass uns alles in gut verdaulichen Häppchen präsentiert wird.

Im vor-digitalen Zeitalter konnten Aufgaben der Datenanalyse gut an Experten ausgelagert werden. Die heutigen Datenmengen und Allgegenwart von Daten machen jedoch mindestens das Lesen, wenn nicht auch das Erstellen von Statistiken zu einer allgemeinen Grundkompetenz.

Leider gibt es viele verbreitete Fehlannahmen, Wissenslücken und systematische Fehler, denen wir täglich unterliegen, speziell im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten. Unsere Intuition ist dabei meist ein sehr schlechter Ratgeber. Geringe Wahrscheinlichkeiten etwa werden systematisch überschätzt, während hohe Wahrscheinlichkeiten systematisch unterschätzt werden. Spätestens  wenn es um das Zusammenspiel von Prozentwerten, hohen und niedrigen Wahrscheinlichkeiten geht, sind wir verloren, wenn wir uns auf intuitive Einschätzungen verlassen.

Mit Wahrscheinlichkeiten können wir also nicht so gut. Das mag zum Teil daran liegen, dass wir unsere Kinder in der Schule im Gegensatz zu den Grundrechenarten erst sehr spät mit dem Konzept von Wahrscheinlichkeiten und dem Umgang mit ebendiesen vertraut machen.

Sie mögen nun einwenden: Solche Fehleinschätzungen und systematischen Fehler werden nicht gemacht wenn es wirklich drauf ankommt und um viel geht. Dann schaut man doch genau hin und zieht im Zweifelsfall Experten zu Rate. Das stimmt leider nicht! Christoph Schneider und Oliver Spalt (2016) zeigen in einer jüngst erschienen Analyse: Auch Spitzen-Manager machen systematische Fehler bei wichtigen Investmententscheidungen.

An dieser Stelle erklären wir Ihnen im Folgenden einige basale statistische Konzepte und zeigen auf, wo wir Menschen zu systematischen Fehlern neigen. Neben einigem Handwerkszeug geben wir Ihnen damit vor allem Wissen über Ihr Nicht-Wissen mit an die Hand, damit Sie in Situationen in denen es wirklich drauf ankommt, genauer hinschauen können.

Literaturnachweis:

Schneider, C., & Spalt, O. (2016). Conglomerate Investment, Skewness, and the CEO Long‐Shot Bias. The Journal of Finance 71(2): 635–672. doi:10.1111/jofi.12379

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