Was macht eigentlich eine Unternehmensberatung?

Machen wir ein Coaching oder eine Supervision? Wäre eine Mediation nicht besser als eine Moderation? Vielleicht sollten wir aber das 360°-Feedback ausprobieren, anstatt ein Kollegiales Teamcoaching zu machen. Und was, wenn wir das Kommunikationstraining bewilligt bekommen? Aber nur wenn es wieder systemisch ist, nee, dann doch lieber etwas Praktisches. Vielleicht ein Teambuilding auf Grundlage der Big Five – oder doch eher DISG oder GPOP? Zumindest darf es nichts mit Therapie zu tun haben!

Und? Welche Sau wurde bei Ihnen durchs Dorf getrieben? Keine Sorge, Sie müssen sie nicht alle kennen. Betrachten Sie es vielmehr als Einladung, endlich mal ein gutes Bullshit-Bingo zu spielen: Machen Sie sich eine mehrspaltige Liste mit dem ganzen Fachchinesisch von oben – oder googeln Sie einfach. Wenn ihre Personalabteilung die nächste Maßnahme vorstellen lässt, streichen Sie die Wörter durch, die genutzt werden. Sobald alle Wörter einer Reihe oder Spalte durchgestrichen sind, rufen Sie laut „BINGO“!

Sollten Sie bei den ganzen Formaten nicht durchblicken, geht es Ihnen genauso wie den Coaches und Trainern selbst. Tatsächlich bin ich mir ziemlich sicher, dass ungefähr 95% der Branche das meiste davon selbst nicht verstehen. Fast alle haben dieselben fünf Bücher gelesen, sie mehr oder minder verstanden, um sie in Phrasen wiederzugeben. Weil das auf Dauer auffällt, erfindet man regelmäßig das Rad neu. Dann gibt es wieder die ganz neue Methode, ultramodern und viel viel besser als alle anderen.

Letztlich geht es schlicht um Marken, Marktanteile und den Verkauf von Zertifikaten. Ein Großteil des Marktes lebt davon, andere Coaches auszubilden (Train the Trainer – BINGO!). Und trotz aller Rede von Qualitätssicherung fehlt das wesentliche Moment: Das Aussortieren von Mangelware. Und unter den Beratern gibt es selbstverständlich Mangelware ebenso, wie es qualitativ beeindruckende Exemplare gibt.

In anderen Ausbildungen wie der Polizei wird auf Eignung getestet, bei den Psychologen wird gesiebt was das Zeug hält und Mediziner und Anwälte brauchen sogar ein Führungszeugnis bevor sie ihre Approbation / Zulassung erhalten. Und bei Ausbildungen im beratenden Sektor? Nichts davon. Wäre auch schädlich für die Ausbilder: Wer zahlt schon viel Geld, um hinterher mit leeren Händen dazustehen? Mitmachen darf also jeder und ein Zertifikat erwerben auch. Das kostet um die 10-20.000€ und einiges an Zeit. Alle die zahlen und regelmäßig teilnehmen, bestehen. Es gibt keine allgemein anerkannte Ausbildung und damit auch keine theoretische Grundlage, wie, ob oder warum irgendeines der ganzen Formate funktioniert.

Um eines klarzustellen: Es gibt gute Coaches und gute Coachings lohnen sich! Nur macht ein Zertifikat keinen guten Coach. Tatsächlich beschleicht mich schon länger der Eindruck, dass die Ausbildungen und Zertifikate eher schaden. Allzuhäufig geht es darum, dem Ganzen einen besseren Anstrich zu verleihen. Doch erst wenn man am Lack kratzt, zeigt sich die eigentliche Karosserie.

Coaching ist eine gute Praxis. Deswegen sind die Praktiker darin so viel besser als all die hilflosen Versuche, diese Praxis wissenschaftlich oder in Ausbildungsformaten zu fassen und zu systematisieren. Wie kann man also Coaching erlernen? Ganz ehrlich: Man weiß es nicht. Wir auch nicht. Aber einen guten Coach finden Sie, wie Sie auch einen guten Zahnarzt finden: Auf Empfehlung oder durch Ausprobieren.

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