Ein Fettnapf kommt selten allein

Guten Morgen meine Damen und Herren! Willkommen zum Gruppencoaching, das Ihr Bereichsleiter freundlicherweise in Abstimmung mit Ihrem Abteilungsleiter für Sie organisiert hat. Da Sie Probleme hier in der Abteilung haben, helfe ich Ihnen heute, das endlich auf die Reihe zu kriegen. Machen Sie sich bitte keine Sorgen: Im Vorfeld haben Ihre Vorgesetzten mich schon detailliert informiert, sodass ich gut im Bilde bin. Um die Zeit effizient zu nutzen, nehmen die beiden Herren dringende Termine außer Haus wahr. Ich darf Ihnen an dieser Stelle herzliche Grüße und ein gutes Gelingen der Veranstaltung ausrichten. Da dieses Coaching einiges kostet, betrachten Sie es als Zeichen der Wertschätzung Ihres Unternehmens Ihnen gegenüber.

Einige haben ja schon geäußert, dass es hier wie im Kindergarten zugeht und dass eine Schlammschlacht begonnen hat. Deswegen möchte ich für den Anfang ein paar Spielregeln für die gute Zusammenarbeit präsentieren:

  1. Gehen Sie bitte respektvoll und höflich miteinander um. Denken Sie daran, dass Sie und Ihre Kollegen dieselben Ziele haben. Die Damen natürlich auch! Sie sind ein Team von erwachsenen Menschen und arbeiten zusammen. Bleiben Sie höflich und verletzen Sie nicht die Gefühle Ihrer Kollegen!
  2. Sprechen Sie bitte ehrlich und offen miteinander. Ohne Offenheit und Ehrlichkeit geht es nicht, das sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, doch nur wenn Sie Ihren Kollegen mitteilen, was Sie ärgert, kann sich etwas verändern. Seien Sie also offen und ehrlich und äußern Sie Kritik.
  3. Bleiben Sie bitte sachlich und werden Sie nicht persönlich. Bewerten Sie nicht Ihre Kollegen, sondern nur deren Handlungen. Und vermeiden Sie es, unnötigerweise Ihren Ärger an Ihren Kollegen auszulassen. Das bringt Ihnen einfach nichts. Bei den Feedbackregeln sage ich noch etwas mehr dazu.
  4. Reden Sie miteinander, statt übereinander. Damit das gelingt, habe ich Ihnen das 4-Ohren-Modell von Schulz von Thun hier dargestellt. Denken Sie dabei immer daran, das richtige Ohr Ihres Gegenübers anzusprechen. Es kann sich ja nichts ändern, wenn Sie ihren Ärger nicht direkt mitteilen. Wenn Sie nur übereinander reden, erfährt der Betroffene ja nichts von seinen Fehlern.
  5. Geben Sie Feedback bitte immer sachlich und werden Sie nie persönlich. Sicherheitshalber habe ich Ihnen die Regeln für ein gutes Feedback auf das folgende Flipchart aufgeschrieben: Beschreiben Sie nicht, was Sie an ihren Kollegen stört. Äußern Sie vielmehr Wünsche, wie Sie Ihre Kollegen gerne hätten. Sprechen Sie von der Sache und nicht von der Person. Betrachten Sie Feedback als Informationsgeschenk. Reden Sie nur über Ihre Wahrnehmung, nicht über die Bewertung.
  6. Über Abwesende wird nicht gesprochen. Um Lästereien zu vermeiden und die Abwesenden zu schützen, werden wir uns nur über diejenigen austauschen, die auch hier sind. Denn jemand, der nicht da ist, kann sich ja nicht wehren.

So, mit diesen Regeln sollte uns ein erfolgreiches Arbeiten gelingen. Ich gehe nicht davon aus, dass jemand bei diesen Basics Einwände hat. – Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege!

Na? Haben Sie beim Lesen auch ein komisches, vielleicht sogar beklemmendes Gefühl bekommen? Nun stellen Sie sich mal vor, wie es den tatsächlichen Teilnehmern vor Ort geht. Ostern ist zwar eben vorbei, doch gehen Sie doch noch einmal auf die Suche: Finden Sie die zehn oder mehr Fettnäpfe, die sich in dieser typischen Eröffnung eines Coachings versteckt haben.

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